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Dexter - die Serie ....

ich habe die Serie "Dexter" eigentlich sehr spät entdeckt (und schau' sie mir jetzt auf DVD Staffel für Staffel an), aber von der ersten Folge an war ich von der Serie fasziniert. und da sie mich so in ihren Bann gezogen hat und ich wirklich jede einzelne Folge spannend und interessant finde, muss ich mich doch fragen, warum das so ist ...

Dexter ist natürlich eine gespaltene Persönlichkeit, wenngleich seine Arbeit als "Blutspritzexperte" bei der Polizei schon auch etwas mit seiner "Berufung" zu tun hat. er könnte seine Arbeit nicht so gut verrichten, wenn er nicht selbst ganz genau wüsste, wie genau Blut bei einem Mord eben spritzt.

niemand ahnt etwas von seinem "zweiten Ich", auch nicht seine Halbschwester Deborah, die mit ihm zusammenarbeitet und auch nicht seine Freundin Rita, mit der er so etwas wie eine Beziehung aufbaut.

aber das Spannendste - für mich - an der Serie ist eigentlich, wie Dexter nach und nach und mit jeder Folge mehr sich selbst erkennt, in seine Vergangenheit zurück kehrt und herausfindet, warum er ist, wie er ist ...

sein Pflegevater hat ihn das Töten gelehrt ... er hat die "dunkle Gabe" in Dexter entdeckt und ihm dabei geholfen, das Blutrünstige in ihm in die richtigen Bahnen zu lenken: er hat Dexter gelehrt, nur die Bösen zu töten, niemals einen Unschuldigen.

und so sucht Dexter in der Verbrechenskartei nach Mördern, nach Serienkillern, nach Verbrechern, die anderen Leid zugefügt haben, die eben böse sind. Dexter hat kein schlechtes Gewissen dabei, wenn er sie tötet, denn "er entsorgt ja nur den Müll" ...

deshalb ist Dexter so etwas wie der moderne Robin Hood oder wie ein realer Batman, denn zu keiner Zeit tötet er jemanden, der den Tod nicht verdient hat. er übt Selbstjustiz, aber immer nur an Schwerverbrechern. er begreift aber auch, dass ihn das selbst zu einem Monster macht ... und nach und nach und mehr und mehr entdeckt er das Monster in sich ... und ist doch immer hin- und hergerissen, ob er das Monster anschauen und füttern oder wegschauen und besiegen soll ...

Dexter ist deshalb nicht einfach nur eine simple Krimiserie, in der ein grausamer Mord geschieht, der dann aufgedeckt wird. obwohl ich ansonsten nichts Grusliges und nicht Blutrünstiges mag, konnte ich mir Dexter von Anfang an gut ansehen. weil die Serie eben anders ist, weil Dexter ein Typ ist, bei dem man schnell begreift, dass er eben nicht anders kann, dass er seine Vergangenheit nicht ablegen kann und schlussendlich tut er das, was wir vielleicht alle gern mal täten. nicht mordern!, aber für wahre Gerechtigkeit sorgen, uns wehren, wenn Unrecht geschieht und das Böse auslöschen.

man entwickelt so etwas wie Sympathie für Dexter, der den Psychopathen perfekt spielt. im normalen Leben versteht er es, geschickt zu lügen und alle zu blenden, wie es echte Psychopathen eben tun. keiner erkennt sie!

ein bisschen Dexter steckt in uns allen. wir würden alle ganz gern mal zurückschlagen, wenn wir ungerecht behandelt werden und wir würden gerne mal der Gesellschaft unter die Arme greifen, wenn böse Menschen das Gleichgewicht zu bedrohen scheinen.

Dexter ist nicht platt - und das macht die Serie auch so schön anzusehen, sie ist sehr psychologisch und wir lernen Dexter mehr und mehr kennen, so wie er sich selbst mehr und mehr kennen lernt. und anhand von Dexters Bespiel erkennen wir auch, was traumatische Erlebnisse auslösen können, was eine schlimme Kindheit mit einem schrecklichen, unverdaulichen Erlebnis für einen Menschen hervorbringen kann. vielleicht lernen wir durch Dexter die Menschen und uns ein bisschen besser kennen ...

eine überaus gelungene Serie, der ich von der ersten Folge an verfallen bin ...

c) m.

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Taschenbuch

Stefan aus dem Siepen

" Das Seil "

Stefan aus dem Siepen ist zweifelsfrei ein begnadeter deutscher Erzähler ... sein Roman "Das Seil" ist gut - aber nicht sehr gut ... nicht sehr gut deshalb, weil der Story der absolute Tiefgang fehlt und sie sich relativ absehbar und zeitweilig zäh dahin zieht ...

auf dem Klappentext ist die Story eigentlich fast schon komplett erzählt: "-Auf dem Boden lag ein Seil - nichts weiter.-" ... In einem von Wäldern umschlossenen Dorf führen einige Bauern ein zufriedenes Dasein. Eines Abends findet Bernhard auf einer Wiese am Dorfrand ein Seil. Er geht ihm nach, ein Stück in den Wald hinein, kann jedoch sein Ende nicht finden. Bald beschließt ein Dutzend Männer aufzubrechen, um das Rätsel des Seils zu lösen. Ihre Wanderung verwandelt sich in ein bizarres Abenteuer - und die Existenz des ganzen Dorfes steht auf dem Spiel." ...

dieses "Auf dem Boden lag ein Seil - nichts weiter" könnte für meinen Geschmack das Motto des Romans sein ... man wartet beim Lesen immer darauf, dass etwas wirklich ganz Ungeheuerliches passiert, dass etwas geschieht, das ein "Aha-Gefühl" auslöst, das so grandios ist, dass man sagt: "Ach, jetzt versteh' ich ...", aber das passiert nicht ...

die Horde Männer, die im Wald dem Seil folgt, sind simple "Dörfler", die eigentlich in einem winzigen Dorf ein einfaches, aber friedliches Dasein führen. man begreift aber nicht so recht, wo sich das Dorf befinden könnte und man bekommt auch keinen rechten Zugang zu den einzelnen Charakteren. vielleicht ist das ja gewollt. aber man weiß nicht, in welcher Zeit und an welchem Ort die Geschichte spielen soll ... also alles reine Fiktion ...

das Leben der Bauern ändert sich, als sie das Seil entdecken und dann beschließen, ihm zu folgen ... und so beginnt die Jagd durch den Wald nach dem Ende des Seils ... Punkt! natürlich passiert das eine oder andere Grausige und auch Brutale, aber das bleibt eigentlich nicht aus und man denkt es sich schon im Vorfeld, denn andernfalls würde ja gar nichts passieren.

die Bauern sind allesamt schlicht und folgen einfach ihren Intuitionen, in diesem Fall dem simplen Gefühl, das Ende des Seils zu entdecken ...

das Buch gehört in das Genre "Parabel" ... also dürfen wir uns als Leser überlegen, wofür "das Seil" möglicherweise stehen kann. im Grunde kann es viel sein, in erster Linie vielleicht aber das eigene Schicksal, dem man nicht entrinnen kann. das Seil kann aber auch für die unendliche Gier stehen, die uns antreibt und antreibt und antreibt und uns weiter kämpfen lässt, für etwas, das sich am Ende als nichts Glorreiches herausstellt. man könnte philosophieren, dass die Bauern ja eigentlich ein gutes Leben hatten, bis sie auf das Seil aufmerksam wurden. und dann ändert sich alles.

will uns Herr auf dem Siepen darauf aufmerksam machen, dass wir mit dem zufrieden sein sollen, was wir haben und uns aufzeigen, wo unangemessene Obsession hinführen kann? ist es aber dennoch wie mit dem Seil: dem eigenen Schicksal können wir nicht entkommen - egal, was wir tun? und das Leben geht immer weiter und "das Seil" zieht uns immer tiefer in seinen Bann ...

will er uns sagen, dass wir eine gelangweilte, im Grunde dumme Gesellschaft sind, die nur darauf wartet, dass es "bam" macht und schon stürzen wir uns wie hungrige Bestien auf das, was uns spannend erscheint?

mit den Dörflern geht noch ein Mann, den er "Rauk" nennt. er hat zwar eine körperliche Behinderung (wofür könnte die stehen?), ist aber viel gescheiter als die anderen, ist belesen und klug und weist den anderen schließlich den Weg. im Buch schwingt er immer tolle, intellektuelle Reden und die anderen folgen ihm ...

am Ende -könnte man sagen- nimmt man als message mit: wir sind immer zur Hand, wenn es darum geht, andere zu beschuldigen (denn Rauk wird schließlich für alles verantwortlich gemacht), wir glauben, dass wir verführt wurden, wir schieben die Schuld auf andere, ohne zu erkennen, erkennen zu wollen, dass wir selbst für unser Fehlen, unser Handeln und unsere Taten verantwortlich sind ...

ein Buch also, das viel Gedankenspielraum lässt, über das man philosophieren kann ... deshalb vielleicht eher eine Schullektüre?

Stefan aus dem Siepen wagt überdies sprachlich etwas, das sich nicht jeder Autor traut: er lässt die wörtliche Rede einfach weg und ersetzt sie durch an den Anfang gesetzte Striche! das ist vielleicht wiederum auch gewollt ... vielleicht: das, was Menschen sagen, ist nicht so wichtig? sprachlich betrachtet finde ich es einen mutigen, individuellen Stil!

Fazit: eine schreibtechnisch qualitativ sehr hochwertige Geschichte, mit Tiefgang, wenn man ihn erkennt, philosophisch, mit intellektuellem Anspruch, wer das mag ... schlussendlich passiert für mein Empfinden aber zu wenig ... und das Buch hinterlässt keinen wirklich tiefen Eindruck ... zugute halten möchte ich Stefan aus dem Siepen aber, dass er ein brenzliges, immerwährendes, gesellschaftliches Thema (mangelnde Eigenverantwortlichkeit - aus meiner sicht) ohne Fingerzeig in eine solide Story verpackt hat ...

c)

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