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Winterblues

Das Wohlfühlbuch gegen die

Herbst- und Winterdepression 

 

Keine Angst vor dem Blues …

 

Einige haben ihn, beziehungsweise bekommen ihn, wenn sich der Sommer dem Ende zuneigt, immer wieder: Den Winterblues! Kein Wunder. Die Sonne tut uns gut und die meisten mögen angenehme Wärme. Die triste, kalte Jahreszeit kann einem schon auf's Gemüt schlagen.

 

Was wir dagegen tun können und wie wir dem Winterblues an den Kragen gehen, das zeigt uns Hubertus Himmerich in seinem Buch "Winterblues" mit dem schönen Zusatz: "Das Wohlfühlbuch gegen die Herbst- und Winterdepression".

 

Das Wort "Wohlfühlbuch" gefällt mir sehr. Und das ist es auch. Zeigt es doch, dass wir etwas tun können, um uns wieder wohl zu fühlen.

 

Licht hat für unser Leben eine wichtige Funktion. Wir brauchen es zum Sehen, um uns auf den 24-Std.-Rhythmus der Nacht einzustellen und um über die Haut Vitamin D zu bilden.

 

Da im Winter während des Tages weniger Licht auf die Netzhaut trifft, wir die Produktion des Schlafhormons Melatonin tagsüber bei einigen Menschen nicht ausreichend unterdrückt.

 

Der daraus resultierende hohe Melatoninspiegel im Winter kann dann tagsüber zu Müdigkeit, Energielosigkeit und anderen Symptomen führen.

 

Hubertus Himmerich erklärt uns in seinem Buch genau, was den Winterblues und die Winterdepression voneinander unterscheidet. Drei Betroffene kommen zu Wort. Und er erklärt uns ausführlich, wie Winterblues und Winterdepression entstehen.

 

Und dann folgenden die Selbsthilfetipps. Ich fand die Tipps sehr nützlich und hilfreich. Leider spricht er eine Sache aus meiner Sicht viel zu knapp an, nämlich die Regulierung es Schlafes. Er schreibt, dass es die Möglichkeit des Schlafentzugs gibt. Aber leider schreibt er darüber nur auf zwei Seiten. Hier hätte ich mir viel mehr gewünscht. Da muss ich jetzt wohl googlen.

 

Und er gibt, wenn man selbst nicht mehr weiter kommt, Informationen zu professioneller Hilfe.

 

Ein Buch für alle, die sich im Sommer wohler fühlen. Für alle, die sich im Winter antriebslos fühlen und wissen wollen, warum. Aber auch für alle, die sich im Winter genau so wohl wie im Sommer fühlen und ihre scheinbar muffligen Mitmenschen besser verstehen wollen!

 

c) M. / 1.12.2014

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DER RUF DES KUCKUCKS

 

ROBERT CALBRAITH

 

blanvalet

 

Eine solide Geschichte mit zwei sympathischen Protagonisten

 

Sie beherrscht es halt – das Schreiben. J. K. Rowling kann mehr als Harry Potter. Das beweist sie uns zumindest mit ihrem Roman „Der Ruf des Kuckucks“. Robert Calbraith ist ihr Pseudonym.

 

„Der Ruf des Kuckucks“ ist aus meiner Sicht ein ganz klassischer Krimi. Er kommt ohne plakative Blutrünstigkeit und ohne brutale Darstellung von übler Gewalt aus. Könnte fast ein „Tatort“ sein oder werden. Vor allem auch wegen der sympathischen Protagonisten. Die hätten auch das Zeug zum Tatort-Kommissaren-Team.

 

Der Privat-Detektiv Cormoran Strike ist grad frisch getrennt von seiner Freundin und hat, neben diverser Schulden, nicht mal einen Schlafplatz. Also muss er auf einer Campingliege in seinem kleinen Büro nächtigen.

 

Und eigentlich kann er sich auch gar keine Mitarbeiterin leisten. Die sympathische, junge Robin kommt von einer Zeitarbeitsfirma und bleibt zumindest für eine Woche.

 

Frau Rowling hat es geschafft, die beiden Charaktere so echt zu beschreiben, dass man sie sich sofort vorstellen kann. Zumindest ging es mir so. Und beide waren mir auch sofort sympathisch: Der ziemlich schrullige Strike, ehemaliger Soldat mit einer Beinprothese. Groß, kräftig, hungrig. Und die junge, total nette Robin. Grade frisch verlobt, aber auf der Suche nach dem richtigen Job, und sofort engagiert, interessiert und mutig. Sie bringt das Leben von Strike gleich ein bisschen durcheinander. Aber beide haben auch sofort Respekt voreinander und sind gleich ein gutes Team.

 

Neben diesen sympathischen Charakteren und ihrer persönlichen Hintergründe verblasst die Geschichte faste in bisschen: Lula Landry, ein gefragtes Model, stürzt von ihrem Balkon in den Tod. Man geht von Selbstmord aus. Die Polizei hat ihre Ermittlungen längst abgeschlossen.

 

Aber ihr wohlhabender Bruder Bristow glaubt nicht an einen Selbstmord, sondern an Mord. Deshalb beauftragt er Strike. Für Strike kommt dieser Fall genau zum richtigen Moment …

 

Die Geschichte ist flüssig und geradlinig an einem Stück erzählt. Sehr angenehm. Keine anstrengenden Zeitsprünge, keine 55 Protagonisten. Eine solide, spannende Geschichte mit starken Charakteren.

 

Frau Rowling hat mich mit ihrem Krimi sehr überzeugt. Sie hat glaubhafte und sympathische Protagonisten geschaffen, die einzigartig und markant sind. Mich hat das ungleiche Paar zumindest sofort sehr gerührt.

 

Ich freu‘ mich, dass es mit Strike und Robin weiter geht … Das könnte eine sehr erfolgreiche Serie werden.

 

c) M. / 2.12.2014

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Toshiba LED Tropfenform E 14 25 W warmweiß

 

helle Glühbirne in "warmweiß", aber nicht zu grell ...

 

Viele mögen es ja nicht, das helle, weiße LED-Licht. Ich mag es total. Denn das klare, helle Licht ist aus meiner persönlichen Sicht Augenschonender, erhellt den Raum oder Winkel einfach besser und so sieht man auch als Augenschwacher einfach besser. Aber natürlich ist es Ansichtssache. Viele empfinden das LED-Licht als zu grell und kalt.

 

Wobei man bei dieser "warmweißen" Variante drauf geachtet hat, dass es eben nicht zu klinisch wirkt. Wer sich Sorgen macht, ob die Glühbirne zu grell-weiß ist, der kann hier beruhigt werden.

 

Die Toshiba LED Tropfenform kommt im "warmweißen" Ton daher. Und die Helligkeit ist wirklich auf keinen Fall zu krass. Das Licht ist immer noch "warm", obwohl es hell und klar ist.

 

Energieeffizienzklasse A + spricht für sich und ist so gesehen schon ein Gewinn. Dann lohnt sich auch die Anschaffung einer Glühbirne, die 7 oder 8 Euro kostet.

 

Ich kenn' die Müller-LED's. Die sind auch gut und es gibt sie manchmal im Angebot und somit günstiger als diese von Toshiba. Allerdings hat hier aus meiner Sicht diese von Toshiba ein sehr viel schöneres, helleres Licht, ohne grell zu sein.

 

Fazit: Ich bin eh ein LED-Fan und mag weißes Licht. Diese Glühbirne hier ist aber auch für Leute geeignet, die sich etwas vor den LED's scheuen. Denn das krasse, kalte, medizinische Weiß ist hier ein angenehmes "Warmweiß", das den Raum oder den Winkel zwar sehr gut erhellt, ihn aber nicht kalt wirklich lässt.

c) M. 8.12.2014

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Haus der Schuld

LENA JOHANNSON

Roman

KNAUR

 

"Haus der Schuld" ist - aus meiner Sicht - ein üppiger, stimmungsvoller Roman. Er springt in der Zeit hin und her, was aber nicht unangenehm ist, sondern schlussendlich zur Entwirrung der Ereignisse beiträgt.

 

Amali's Vater ist gestorben und als sie seine Wohnung aufräumt, stößt sie auf ein paar zunächst verwirrende Briefe. Ihr Ur-Ur-Großvater ist einst nach Ostafrika ausgewandert. Ein Freiherr von Eichenbaum hat ihren Ur-Ur-Ahn offenbar gaunerisch um Hab' und Gut gebracht.

 

Amali ist fest entschlossen, dieser Geschichte auf den Grund zu gehen und begibt sich auf die Reise in ihre eigene Vergangenheit.

 

Ihre Freundin Niki ist an ihrer Seite, als sie mit der Spurensuche beginnt. Wer auf Atmosphäre steht und den Reiz von verlassenen Häusern kennt, dem wird Amali's Reise gefallen. Stimmungsvoll und umgeben von einem mystischen Hauch ist sie auf jeden Fall.

 

Schön beschrieben hat die Autorin das verfallene Forsthaus an der Ostsee. Das konnte man sich so richtig gut vorstellen.

 

Ich gestehe: An den Namen "Amali" konnte ich mich die ganze Zeit überhaupt nicht gewöhnen. Ich konnte mir nicht mal vorstellen, wie man ihn richtig ausspricht. Erst eine Online-Recherche meinerseits hat dann Licht ins Dunkel gebracht. Und das ist auch gut so, denn sonst wäre ich immer irgendwie über den Namen gestolpert, der in meinen Ohren so fremd klingt.

 

Die Story hat Charme, eine zarte Liebesgeschichte wurde auch noch eingewebt, wir können uns immer wieder auf eine Zeitreise nach Afrika im ausgehenden 19. Jahrhundert begeben und wir begleiten Amali, wie sie nach und nach die Rätsel ihrer Vergangenheit löst. Frau Johannson versteht es auf jeden Fall, immer wieder stimmungsvolle Bilder mit ihren Worten zu malen. Und wer die Faszination von "rotten places" kennt, wird sich in der Geschichte auch gut aufgehoben fühlen.

 

Ein Roman, den man im Winter in dunklen Stunden wunderbar mit einer Tasse Tee auf dem Sofa genießen kann ... Ich wage jetzt mal wohlgesonnen zu behaupten, dass "Haus der Schuld" am ehesten bei Frauen Anklang findet ...

c) M. / 8.12.2014

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KARINE GIEBEL

DIE FLÜGEL,

MEIN ENGEL,

ZERREIß'

ICH DIR

 

THRILLER

 

BLOOMSBURY BERLIN

 

Eine beklemmende Geschichte im neuen, knappen Schreibstil ...

 

Eine beklemmende, beängstigende Vorstellung, wenn man ständig das Gefühl hat, dass man verfolgt wird. Von einem Schatten. Von einem Mann. Von irgendjemand. Von irgendetwas. Man weiß nicht, was es ist. Man weiß nicht, wer er ist. Und man weiß vor allem nicht, was er will. Er ist immer da. Egal, wo man gerade ist. Der Schatten ...

 

Ich finde, dass es Karine Giebel sehr gut gelingt, dieses äußerst unangenehme, Angst machende Gefühl zu beschreiben, wie es ist, wenn man sich einbildet, gestalkt zu werden. Oder ist es gar keine Einbildung?

 

Am Schlimmsten empfinde ich die Vorstellung, dass dieser "Schatten" in der Wohnung ist und mich vielleicht nachts, wenn ich schlafe, ansieht. Puh, echter Gruseleffekt. Und nicht nur, dass er neben meinem Bett steht und mir beim Schlafen zusieht (schon gruslig genug), vielleicht tötet er mich irgendwann?

 

Einfach beängstigend, beklemmend, ein Alptraum, furchtbar ...

 

Und genau das erlebt Cloe. Ein Schatten scheint sie auf Schritt und Tritt zu verfolgen. Nicht nur, dass er ihr nachts in dunklen Straßen auflauert, er scheint auch in ihrem Haus gewesen zu sein, wenn sie nicht da war. Was hat er gemacht?

 

Sie beschreibt ihn bald mit: groß und schwarze Kapuzenjacke. Mehr weiß sie erst mal nicht. Aber sie hat Angst, fürchterliche Angst. Sie verändert sich durch ihre Angst ...

 

Und dabei ist sie eigentlich eine super toughe Frau. Sie ist erfolgreich im Beruf, bald schon wartet auf sie sogar eine Chef-Position und sie hat einen charmanten, gutaussehenden Freund, in den sie sehr verliebt ist. Angst- und Panik-Gefühle passen eigentlich gar nicht zu ihr.

 

Aber der Schatten macht ihr bald mehr als nur Angst. Sie ist stets aufgebracht, stets unruhig, immer nervös, panisch, hektisch, überall sieht sie ihn bald, wo er aber gar nicht ist.

 

Wir lernen Cloe, so finde ich, in "Die Flügel, mein Engel, zerreiß ich dir" ziemlich gut kennen. Über den Titel kann man übrigens natürlich streiten. Das Original heißt "Der Schatten", was vielleicht der Geschichte gerechter wird. Denn es geht ausschließlich und fast 500 Seiten lang nur um diesen Schatten. Die deutsche Übersetzung des Titels empfinde ich persönlich aber als durchaus gelungen, weil a) sehr, sehr außergewöhnlich und b) passt er dann auch zur Geschichte, wenn man sie kennt.

 

Cloe kommt nicht unbedingt als Sympathieträgerin rüber. Sie ist oft sehr ruppig, sehr von sich überzeugt, man könnte sagen ziemlich arrogant und selbstgefällig. Wobei sie sich durch das Erleben der Angst ziemlich verändert. Und plötzlich spürt, dass sie durchaus etwas und jemanden braucht und abhängig ist.

 

Und ich geh' mal davon aus, dass die Autorin auch genau das bezweckt hat. Dass Cloe zunächst eher unsympathisch daherkommt, sodass der Leser sie nicht mag und am Ende vielleicht denkt: Das hast du auch verdient! Ich denke, es ist schriftstellerisches Können, dass Cloe offenbar nicht von vielen Lesern ins Herz geschlossen wurde.

 

Mich ausgenommen! Denn mir tut sie von Anfang an ziemlich Leid. Dieses bedrückende Gefühl, verfolgt zu werden, muss unfassbar grausam sein. An den Nerven zerrend. Hat doch keiner verdient ... Außerdem wird sie schließlich auch über den Tisch gezogen, betrogen, belogen, hintergangen, vorgeführt und belästigt. Als Protagonistin ist sie ungewöhnlich und deshalb - aus meiner Sicht - interessant.

 

Eines muss man auch noch mögen, wenn einem dieser Thriller gefallen soll. Und auch hier ist es so: Mir gefällt er, dieser neue Schreibstil. Ich habe ihn auch schon bei anderen Büchern gelesen und ich mag ihn.

 

Dieser neue Schreibstil ist knapp, kurz, abgehakt. Da wirken die Sätze schon mal wie hingeworfen und nicht fertig gestellt. Auf mich wirkt dieser Schreibstil eher durchdacht, erfrischend pragmatisch und Spannung aufbauend. Genau diese knappen, sehr, sehr kurzen Sätze, die ohne Komma auskommen und manchmal nur aus zwei Wörtern bestehen, können Angst, Beklemmung, Wahn, Panik und Verzweiflung wiedergeben. Muss man natürlich mögen. Ich mag z.B. keine langen Sätze, die über zehn Zeilen gehen und ich am Ende nicht mehr weiß, wie der Satz angefangen hat. Mir kommt dieser puristische, neue Schreibstil sehr, sehr entgegen. Keine lästigen Schachtelsätze. Sondern kurze, knappe, gezielte Sätze, die nicht 100 Worte brauchen, um verstanden zu werden. Auf’s Wesentliche beschränkt.

 

Deshalb: "Die Flügel, mein Engel, zerreiß ich dir" ist ein Thriller, der eine Protagonistin hat, die man zwar nicht gleich ins Herz schließt, aber deren Panik nachvollziehbar ist, einige Neben-Protagonisten, die ebenso zwielichtig, wie undurchschaubar sind. Eine gruslige Geschichte, in einem modernen, pragmatischen Schreibstil geschrieben, die durchaus spannend ist.

 

Abgesehen von der Geschichte finde ich das Buch selbst haptisch und optisch sehr ansprechend. Das Buch ist doch ziemlich groß, was ich mag, kein kleines, schlecht leserliches Taschenbuch, sondern ein wuchtiges, "gestandenes" Buch, das - ich zumindest - gute lesen kann und mag.

 

c) M. / 11.12.2014

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Glückskinder - DVD - Hermann Scherer

 HERMANN

SCHERER


Glückskinder


Warum manche lebenslang Chancen suchen - und andere sie täglich nutzen

 

DVD 

 

Ich mag, wie Sie denken, Herr Scherer ...

 

Zu diesem netten Satz "Ich mag, wie Sie denken", gibt es einen Witz. Aber den kann Herr Scherer am besten selbst erzählen!

 

Es ist nicht immer alles so, wie es scheint. Und "Wahrheiten" gibt es viele, eigentlich sind es Sichtweisen.

 

Es ist schön, Herrn Scherer mal reden zu hören, sehen, wie er spricht, hören, was er sagt.

 

In seinem Vortrag kommt einiges aus dem gleichnamigen Buch "Glückskinder" vor, ein paar Anekdoten, die das Potenzial zum "Aha-Erlebnis" haben.

 

Zum Beispiel die Geschichte mit dem Flugzeug. Herr Scherer erzählt, wie er in einer Maschine saß und diese kurz vor'm Absturz schien. Eine äußerst brenzlige Situation.

 

Und dann? Dann schläft er einfach ein. Und das ist so eine Situation, über die man nachdenken kann.

 

In ganz schwierigen Momenten, in denen wir wissen, dass wir nichts mehr aktiv tun können, schalten wir quasi einfach ab. Wir ergeben uns dem Schicksal. Wir tun nichts mehr, weil wir nichts mehr tun können. Deshalb begeben wir uns in diese passive Situation.

 

Das ist ein zweischneidiges Schwert.


Einerseits ein besonderer Moment, in dem wir uns einfach nur treiben lassen, uns quasi dem Schicksal treu ergeben. Es ist, wie es ist. Wir können nichts ändern, also akzeptieren wir die Situation, so schlimm sie auch sein mag.

 

Aber anderseits sitzen wir einfach zu oft untätig herum, glauben nur, dass wir nichts tun können, sind zu faul, etwas zu tun oder haben einfach keine Lust. Dann resignieren wird und geben auf. Obwohl wir doch so viele Möglichkeiten hätten. Wir müssten nur etwas tun. Aber wir tun nix. Wir verharren, halten still, die anderen werden's schon richten ...

 

Wir sollten unser Leben nicht in dieser blind ergebenen Situation verbringen. Wir sollten uns lieber überlegen, was wir noch tun können - heute ...

 

In seinem Vortrag lässt Herr Scherer hier aber auch ein paar Videos abspielen. Videos, die krass sind. Videos, die uns zeigen, wie es geht oder aber auch, wie es nicht geht. Videos, die zeigen, wie beeinflussbar wir sind.

 

Wir wissen es vielleicht, tun aber trotzdem nix ...

 

Herr Scherer macht mir immer ein bisschen ein schlechtes Gewissen ... Aber eher im positiven Sinne.

 

Nix verschieben, lautet für mich die Devise, nicht auf morgen warten. Denn worauf warten wir. Und wissen wir schon, wenn wir einen Urlaub für den nächsten Monat planen, ob wir da überhaupt noch leben.

 

Das, was wir oft hören "Lebe so, als wäre es heut' dein letzter Tag", hält uns Herr Scherer oft vor.

 

Steve Jobs hat es genauso getan. Er hat immer gesagt, dass der Gedanke, dass er morgen tot sein könnte, ihn antreibt. Und zwar NUR dieser Gedanke.

 

Für manche Menschen mag das ein fürchterlicher Gedanke sein. Und ich weiß auch, dass es nun wirklich nicht immer möglich ist, heute das zu tun, was ich wirklich will, so dass ich morgen theoretisch zufrieden gehen könnte. Aber wir können es zumindest im Ansatz versuchen. Heute und immer wieder. Wenn wir auch heute vielleicht nicht ganz genau das tun können, was wir zu 100 % möchten, so reicht vielleicht schon das Wissen um das, was wir wirklich wollen. Und wenn es dann nicht geht. Dann probieren wir es eben wieder.

 

Eine "konstruktive Unzufriedenheit" sollen wir uns bewahren. Und das ist auch genau das, was ich denke. Sind wir zufrieden, werden wir faul und untätig. Nur eine konstruktive Unzufriedenheit kann uns immer wieder weiter bringen.

 

Oder wie der große Karl Lagerfeld sagt: Ich bin nie mit mir zufrieden und das hält mich kreativ!

 

Deshalb seien Sie nicht traurig oder deprimiert, wenn Sie unzufrieden sind. Verwandeln Sie die destruktive Unzufriedenheit in eine konstruktive ... und dann geht's auf ... Dann wird's nie langweilig. Dann geht's immer weiter und weiter ...

 

Herr Scherer sagte in seinem Vortrag, dass er nur 10 schwarze Shirt, 10 schwarze Hemden, 10 schwarze Unterhosen und 3 schwarze Anzüge hat. (Ich hoffe, ich habe es in etwa richtig wieder gegeben.). Wenn er in Urlaub fährt, nimmt er nur alte Klamotten mit und lässt sie dann im Hotel ...

 

Loslassen ... es geht immer wieder um's Loslassen, um das, was uns am Schwersten fällt. Ich weiß ... Aber Besitz ist eine Last. So zumindest Herr Scherer. Und ich weiß, was er meint.

 

Ich komm' als Frau zwar mit 10 Shirts und 10 Hosen etc. nicht wirklich aus. Will ich auch gar nicht. Zu verlockend, die Sachen da draußen. Aber ich mache es auch schon lange so, dass ich mich nicht mehr mit Farben und Formen herumquäle und Zeit damit verschwende, mir zu überlegen, ob diese Farbe zu meinem Teint passt und ob ich jenes Muster tragen kann und so weiter.

 

Ich habe mir Zeit geschenkt, in dem ich weiß, was ich will und was ich nicht will: Keine gewagten Farben mehr, keine auffälligen Muster, keine seltsamen Schnitte. Schwarz, einfach Schwarz. Klassisch und zeitlos. Und nebenbei noch Figur schmeichelnd.

 

Für Herrn Scherer ist es: Keinen Besitz anhäufen, um keine Last zu tragen. Für mich ist es: Zeit sparen, wissen, was ich will, keine sinnlose Zeit an sinnlose Tätigkeiten verschwenden (Shoppen und Buntes, Gewagtes kaufen und dann doch nicht zufrieden sein).

 

Und so sollten wir unser Leben leben: Beschränkt auf das Wichtige, auf das, was UNS wichtig ist. Brennen für etwas und nicht lange fackeln ...

 

Herr Scherer, Sie sind mein größter Motivator, Sie machen mich mutig ... Ich weiß, ich bin ein Glückskind! Ich wusste es schon immer. Aber ich hab's in den Wirren des Lebens a bisserl vergessen. Aber Sie haben mich wieder angestachelt, angefeuert ...  

 

Und nun brenne ich und fackle nicht lange ... Danke, Herr Scherer!

 

c) M.  12.12.2014

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Reign Over Me

 

Wenn alles egal wird und man in einer Blase lebt, weil

 

die Menschen, die man geliebt hat, nicht mehr leben, weil einem die geliebte Frau und die geliebten Kinder genommen wurden, weil plötzlich alles anderes ist.

 

Wer hätte gedacht, dass Adam Sandler auch "so was" spielen kann, nämlich einen trauernden Mann, der in seiner eigenen Welt lebt und nur noch irgendwie zusehen muss, dass er die Tage und Nächte übersteht. Irgendwie ... Denn nichts ist mehr wie vorher.

 

Seine Familie kam am 11. September 2001 bei den Terroranschlägen um's Leben. Und seitdem vegetiert er mehr oder weniger vor sich hin. Entschwindet in die Welt der Spiele, sieht Filme, spielt Schlagzeug, düst mit seinem Roller durch San Francisco, wandert nachts durch die Stadt, betrinkt sich und lebt in den Tag hinein. Einen Sinn hat sein Leben nicht mehr ...

 

Früher war Charlie erfolgreicher Zahnarzt, glücklich verheiratet, Vater von drei Mädchen. Davon ist nichts mehr übrig geblieben, seit seine Familie umgekommen ist.

 

Genau wie sein ehemaliger Kommilitone Alan. Der führt genau das Leben, das Charlie früher auch geführt hat.

 

Als Alan Charlie wieder trifft, fühlt er sich ihm sofort seltsam verpflichtet. Er kennt sein Schicksal, will ihm unbedingt helfen und lässt sich auf die düstere Welt von Charlie ein.

 

Charlie steht plötzlich nachts vor Alan's Tür, will mit ihm Essen oder einfach weg gehen. "Lass' uns was essen gehen!", sind Charlie's Hauptworte, als er seinem alten Freund wieder begegnet. Er scheint wieder so etwas wie minimale Lebensfreude zu empfinden, wenn er mit Alan zusammen ist und isst. Und Alan lässt sich voll auf ihn ein und stellt dabei fest, dass es ihm plötzlich als Ehemann und Familienvater zu eng wird. Aber eigentlich liebt er seine Familie.

 

Alan taucht mit Charlie in dessen finstere Welt ab. Alan will ihm helfen. Und Alan erkennt auf einmal auch die Probleme in seinem eigenen Leben und spricht mit Charlie darüber. Und obwohl dieser in seiner Trauer nicht wirklich Anteil an Alan’s Gefühlen nehmen kann, so ist er doch da und hört Charlie zu.

 

Da gibt es diese junge Psychiaterin, gespielt von einer - wie immer - bezaubernden Liv Tyler. Die gibt sich wahnsinnig viel Mühe, um Charlie's posttraumatische Störung zu behandeln. Aber Charlie ist nicht wirklich zugänglich. Er zieht sich immer wieder in seine Welt zurück, setzt die Kopfhörer auf, weist autistische Verhaltensmuster auf und ist nicht bereit, sich zu öffnen. Er kann nicht. Er kann nicht über das sprechen, was passiert ist. Er kann nicht über die verstorbene Familie reden. Aber die junge Psychiaterin ist geduldig ...

 

Und dann kommen plötzlich auch auf Alan Probleme zu, er fühlt sich in seiner Familie eingeengt, sein Vater stirbt und eine Patientin beschuldigt ihn, sie sexuell belästigt zu haben. Dabei ist es genau anders herum. Seine Patientin ist selbst traumatisiert und macht ihm dauernd verlockende, unmoralische Angebote ...

 

Und Charlie wird von seinen Schwiegereltern belagert, die dauernd wollen, dass er redet. Aber er will und kann nicht ... Bis ... ja, bis ...

 

Ich hätte nicht vermutet, dass Adam Sandler diesen traumatisierten Mann, der sich völlig gehen lässt und dem alles gleichgültig ist, so überzeugend spielen kann. Aber er kann es. Absolut gut sogar. Respekt. Chapeau!

 

Wer selbst schon einmal ein traumatisches Erlebnis erleiden musste; wer weiß, was trauern bedeutet, der wird sich sicherlich in der tragischen Rolle von Charlie wiederfinden.

 

Der Film ist auch deshalb keine Null-Acht-Fünfzehn-Story einer gescheiterten Existenz, sondern er beschäftigt sich mit der wahren Trauer. Mit dieser tiefen Trauer, wenn das eigene Leben mit den Wurzeln herausgerissen wurde und der Trauernde in seiner eigenen Welt lebt und keinen Anschluss mehr an die Außenwelt findet.

 

"Reign Over Me" zeigt ganz genau, wie es einem traumatisierten Trauernden ergeht. Eine schnelle Genesung und eine schlagartige Kehrtwende zum Glück gibt es nur in kitschigen Hollywood-Streifen. "Reign Over Me" zeigt das wahre Gesicht der Trauer, unglaublich gut gespielt von Adam Sandler.

 

Die reizende Liv ist die erste, die begreift, dass Charlie ganz alleine zu recht kommen muss, ohne psychologische Hilfe und dass es für ihn einen ganz eigenen Weg gibt, zurück ins Leben zu finden. Und das braucht Zeit, vielleicht viel Zeit, Zuversicht und Geduld. Aber sie ist überzeugt davon, dass Charlie seinen individuellen Weg gehen muss ... Alleine ... Und so zeigt der Film wunderbar, dass es nicht nur den einen Weg gibt, die Trauer in das Leben zu integrieren, es gibt für jeden Trauernden DEN individuellen Weg …

 

"Reign Over Me" hat mich tief berührt. Ein ausgezeichneter Film, ein überragender Adam Sandler, sehr, sehr gute Nebenprotagonisten und eine zwar traurige Story, aber eine, die genauso gut das Leben hätte schreiben können ... Wundervoll! Denn schlimme Dinge passieren. Es kommt nur darauf an, durchzuhalten und darauf, irgendwann das Licht anzuknipsen, das den eigenen Weg beleuchtet.

 

c) M. / 22.12.2014

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