Ich lasse mir den Diesel nicht verbieten!

Offener Brief an den Oberbürgermeister von München

 

Weltstadt ohne Herz

 

Der Diesel – Sündenbock für politisches Versagen?

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

lieber Herr Reiter,

 

eigentlich ist es ja allerehrenwert, dass Sie München zu einer sauberen Stadt machen wollen. Und nachdem uns die so genannte Deutsche Umwelthilfe nun schon lange vorbetet, dass der Diesel der scheinbar einzige Umweltverschmutzer ist, ist es nur nachvollziehbar, dass Sie genau den aus der Stadt haben wollen. Von Ihrer Warte aus betrachtet, kann man das gut nachvollziehen. Und außerdem: Sie wollen was tun. Sie wollen endlich etwas tun. Sie müssen etwas tun. Schließlich geht es ja auch darum, den Bürgern zu zeigen, dass einem das Thema Umwelt wichtig ist.

 

Aber, lieber Herr Reiter, haben Sie auch schon einmal an die anderen, an die Diesel-Fahrer gedacht? Diese trauen sich schon längst nichts mehr zu sagen. Denn plötzlich sollen sie die Sündenböcke sein. Plötzlich hat man sich scheinbar darauf geeinigt, dass der Diesel das größte Umweltproblem ist. Und damit hat man die Diesel-Fahrer nicht nur mundtot gemacht, man hat ihnen auch noch den schwarzen Peter zugeschoben. Stellvertretend für all‘ jene, die sich vor einiger Zeit einmal guten Gewissens einen Diesel zugelegt haben, möchte ich mich nun an Sie wenden.

 

Vor vier Jahren habe ich mir ganz bewusst einen Diesel gekauft. Denn „damals“ ging es nur um die C02-Werte. Diese galt es zu verringern. Mein Diesel hatte damals in der Flottenübersicht die geringste C02-Belastung. Also habe ich ihn mir in dem Bewusstsein, etwas Gutes für die Umwelt zu tun, zugelegt.

 

Nun plötzlich soll er eine Umweltbelastung sein, auf einmal heißt es, dass er raus muss aus der Stadt, weg von den Straßen. Und Sie wollen nun sogar flächendeckend den Diesel verbieten. Haben Sie sich einmal überlegt, wie das in der Realität für Diesel-Fahrer aussieht? Oder, anders gefragt: Geben Sie mir das Geld, damit ich mir einen Benziner kaufen kann? Denn nicht jeder kann sich – noch dazu in München - sofort ein anderes Auto leisten. Haben Sie daran auch einmal gedacht?

 

Und was passiert denn mit meinem vierjährigen Diesel, wenn ich ihn, wegen Ihres Verbots, hergeben muss? Obwohl auf Langlebigkeit ausgelegt und ein Auto auf dem aktuellsten Stand der Technik mit allem Drum und Dran, wird er entweder verschrottet oder landet in einem anderen Land, in dem es das Diesel-Verbot nicht gibt. Das heißt, ich kann mein Auto, das noch nicht einmal die Hälfte seines Fahr-Lebens erreicht hat, auf den Schrottplatz bringen. Halten Sie das für sinnvoll? Ist das ökonomisch? Mitnichten! Die nächste Alternative ist, dass mein Auto in ein so genanntes armes Land verkauft und dort natürlich weiter gefahren wird. Das nennt man dann Problemverschiebung. Hauptsache, wir haben in München eine gute Luft und uns der bösen Diesel entledigt.

 

Sie kennen die Studien, was passiert, wenn es keine Diesel mehr auf der Straße gibt? Dann könnte das nächste Problem auftauchen, nämlich, dass die C02-Belastung unerlaubt hoch ist. Was geschieht denn dann?

 

Und über all‘ dem ist mein Auto plötzlich nicht nur erschreckend wenig wert, ich muss mich auch noch als „Umweltsau“ beschimpfen lassen.

 

Die einseitige Betrachtungsweise, dass ein Verbot der Diesel-Fahrzeuge die Lösung eines Umweltproblems ist, mag für Sie das Richtige sein, für unzählige Diesel-Fahrer aber nicht. Und die Folgeproblematik ist überdies auch noch nicht absehbar.

 

Deshalb bitte ich Sie, von diesem Verbot abzusehen. Damit wird nur der so genannten Deutschen Umwelthilfe in die Karten gespielt, die mit Sicherheit bald das nächste böse Kaninchen aus dem Hut zaubert und Sie mögen in den Augen von so genannten umweltbewussten Menschen gut dastehen. Wer entschädigt aber uns Diesel-Fahrer für den uns entstandenen Verlust? Es ist ungerecht, uns jetzt als Umweltverschmutzer zu diskriminieren und uns zu etwas zu zwingen. Überdies wird es viele geben, die sich ein anderes Auto gar nicht leisten können. Wer kommt denn für unseren Schaden auf? Zumal uns vor Jahren gesagt wurde, dass der Diesel sauber ist, weil er den geringsten C02-Ausstoß hat. Nun sollen wir für ein Versagen als Sündenböcke herhalten? Damit bin ich nicht einverstanden.

 

Es wird eine andere Lösung geben müssen, keine Verdammung der „alten“ Diesel, keine Generalstrafe für Diesel-Fahrer. Stecken Sie Geld in die Forschung, denken Sie über Alternativen nach, überlegen Sie sich ein Einsparen an anderer Stelle, so dass es „dem kleinen Mann“, der noch dazu unschuldig ist, nicht weh tut. Es kann nicht sein, dass man hier Menschen zu  Sündenböcken macht, die sich einmal wohlüberlegt einen Diesel zugelegt haben. Seien Sie nicht so unfair, gehen Sie weg von dieser Insel-Sichtweise und betrachten Sie alles im Ganzen. Sicherlich fällt Ihnen dann eine fairere Lösung ein. Und lassen Sie uns Diesel-Fahrer doch nicht für etwas büßen, für das wir aktiv gar nicht verantwortlich sind. Geben sie uns Diesel-Fahrern noch etwas Zeit. Möglicherweise wird sich eine Alternative finden, eine neue Technologie, irgendetwas. Aber bestrafen sie die Diesel-Fahrer doch nicht mit einer so drastischen Maßnahme. In anderen Städten geht es doch auch anders!

 

Wenn Sie Ihr striktes Diesel-Verbot durchsetzen, dann ist davon auszugehen, dass in dieser Stadt dicke SUV’s, gefahren zumeist nur von einer Person, oder benzinfressende Sportwägen, ebenfalls gefahren meist nur von einer Person, lieber gesehen werden, als kleine Diesel-Fahrzeuge, die ökonomisch gut genutzt sind. Wenn dem so ist, dann werde ich mich nicht von meinem kleinen Diesel verabschieden, der damals extra wegen seiner Langlebigkeit angeschafft wurde und noch nicht mal am Zenit seines Autolebens ist. Dann werde ich wegen Ihrer Alternativlosigkeit mein junges Auto weder verschrotten noch verschenken. Dann werde ich nicht meinem Diesel den Rücken kehren, sondern eher dieser Stadt, die offenbar lieber Benzin-Luxusfahrzeuge mit einem immensen Verbrauch haben möchte, als langlebige, wohl überlegt angeschaffte Diesel-Fahrzeuge. Dann sage ich nicht zu meinem Auto „Servus“, sondern zu dieser Stadt – dieser Weltstadt, die einmal Herz hatte!

 

Mit freundlichen Grüßen, M.

 

c) M. / 17.6.2017 

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17.6.17 15:46

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