ZIEMLICH BESTER SCHURKE - JOSEF MÜLLER

Zugegeben, eine üppige Lebensgeschichte, die uns der Herr Müller da anzubieten hat. Sein nieder geschriebenes Leben liest sich wie ein Hollywood-Gangsterfilm der Extra-Extra-Klasse.

 

Josef Müller hat wirklich eine Komplettverwandlung vollzogen. Ist quasi vom gehassten Biest zum bewundernswerten Schönen geworden. Und das alles hat er seiner Inhaftierung und der damit verbundenen "Erleuchtung" zu verdanken.

 

Aber der Reihe nach ...

 

Herr Müller hat als Steuerberater angefangen. Ließ sich aber mehr oder weniger ziemlich schnell in alle möglichen Geschäfte verwickeln, die nicht immer ganz astrein und sauber waren. Ich gestehe: Alles habe ich nicht im Detail verstanden, was er so finanztechnisch geschrieben hat. Aber gut, muss ja auch nicht sein, sonst wäre ich auch Steuerberater geworden ...

 

Es geht um Firmenverflechtungen, Steuertricks und dergleichen und schließlich um Betrug, Kreditbetrug und Untreue. Aber - ich sag's mal laienhaft - zu 100 % wahrlich Schuld war der Herr Müller nie. Wobei ich das weder entscheiden mag noch kann. Man konnte ihn verführen. Und er hat sich verführen lassen …

 

Jedenfalls hat er uns alle, wirklich alle seine Geschichten offen und ungeschönt erzählt. Wir können eintauchen in die dekadente Münchner Schickeria, in mondänes Luxus-Leben in Amerika und sind stille Begleiter bei all' seinen Luxus-Reisen.

 

Aber wie schreibt er selbst: "Geld, Frauen, Autos, Yachten, Reisen, Luxus, alles war da - aber damit war die Sehnsucht nicht gestillt ..."

 

Und mir gefällt dieser Satz. Ist er doch - immer noch - ein Synonym für die momentane, schnelllebige Gesellschaft. Uns wird impliziert, dass wir nur dann ein Teil bestimmter Zusammenschlüsse sein können, wenn wir schneller, besser, gescheiter, weiter sind. Und das, was sich viele ersehnen: tolle Autos, spritzige Yachten, exklusive Reisen, schöne Frauen ... sind eben doch nur die äußerlichen Requisiten für eine Scheinwelt. Das wahre Glück findet man tief in sich drin. Den Frieden findet man im Glauben.

 

Das mag kitschig klingen. Aber bei Josef Müller war es genauso. Nach seinem Leben in Saus und Braus folgten Jahre der Kasteiung im Gefängnis. Wie es dazu kam, kann man sehr ausführlich im Buch nachlesen. Lassen wir noch mal Herrn Müller zu Wort kommen: "Nach wie vor fühle ich mich im Kern der Geschichte nicht schuldig. Ich hatte Rahmenbedingungen geliefert, innerhalb derer andere kriminelle Akte begangen hatten ...“

 

Aber er zieht sich auch nicht aus der Affäre, erkennt seine Fehler und vor allem anerkennt, dass es am Ende nur eine Strafe geben kann, nämlich Gefängnis.

 

Und dass das schlussendlich gar keine Strafe war, sondern der richtige Weg, der Weg nach innen, der Weg heraus aus dem sinnlosen Hamsterrad der Gier, der Weg zu etwas Höherem, das erkennt Josef Müller in seiner Zelle!

 

Man könnte sagen, dass bei ihm die Gefängnisstrafe zum genau richtigen, erwünschten Gefühl geführt hat, nämlich Einsicht. Und bei ihm folgt noch viel mehr. Den Gefängnisaufenthalt nutzt er schließlich für christliche Studien, beginnt intensiv zu beten und hat das eine oder andere spirituelle "Aha-Erlebnis". Und zudem kuriert das Gefängnis ihn auch noch von seinen Lastern ...

 

Mir scheint, hier hat eine Inhaftierung genau das Richtige bewirkt - und noch viel mehr! Herr Müller zeigt uns in seinem Buch sehr gut, wohin uns Gier treiben kann.

 

"Und wenn ich mich auf etwas verlassen konnte", so Josef Müller "dann auf die Gier der Menschen."

 

c) M.

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11.4.14 16:20

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