ROTLICHTKRIEG - JAN "MIAMI GIANNI" SANDER - riva

Begehrlichkeiten

 

Der Mann hat was erlebt! Und wer so viel erlebt hat, der hat natürlich auch was zu erzählen!

 

Die Beschreibungen von Jan Sander, alias "Miami Gianni" sind detailliert und genau. Für "Normalos" ist es vielleicht etwas befremdlich, wenn ein Typ ständig mit einer Knarre herumläuft. Aber, das ist ja auch kein Buch über einen "Normalo". Und wenn man dann liest, in welcher Gefahr sich Jan mehr oder weniger ständig befindet, dann kann man es direkt verstehen, dass er nicht ohne Pistole aus dem Haus geht.

 

Dass man, wenn man doch mehr oder weniger oft  illegal durchs Leben geht, auch schon mal im Gefängnis landet, liegt auf der Hand. Auch wurde Jan nicht nur einmal, sondern mehrmals selbst angeschossen.

 

Jan erzählt uns von seiner Kindheit. Und natürlich - es könnte nicht anders sein - lag da einiges im Argen. Doch eines muss man sagen und Jan zugute halten: Alles ist wirklich lediglich eine "Schilderung", er beschreibt eben, wie's war, ohne was dazu zu dichten und ohne was weg zu lassen ... Und er schreibt das völlig ohne Anklage. Er will auf keinen Fall, dass Erlebnisse aus seiner Kindheit irgendwie eine Entschuldigung oder Rechtfertigung für sein Verhalten sein sollen. Und das ist natürlich mehr als vernünftig und fair.

 

Trotzdem ist da natürlich eine durchgeknallte und vor allem dominante Mutter. Und Jan schwört sich, nie mehr von einer Frau abhängig zu sein. Und das ist er dann auch nie wieder ...

 

Für mich zieht sich dieses Gefühl nach absoluter Unabhängigkeit auch durch sein ganzes Leben. Und das ist nachvollziehbar. Und sein Ding zieht er auch konsequent durch. Dabei ist er nie schlecht zu Frauen und wenn man ihm nix tut, dann lässt er die anderen auch in Ruhe. Aber wehe, jemand behandelt ihn unfair oder ungerecht oder tut ihm was ... Dann kann Jan ganz schön böse werden ...

 

Erfreulich zu lesen, dass er seine Karriere als "Drogenbeschaffer" schnell an den Nagel hängt, als er einen Junkie sieht, der mehr tot als lebendig ist. Gut so, dass er aus diesem Geschäft ausgestiegen ist. Sonst hätte ich das Buch vielleicht nicht weiter gelesen ...

 

Er lässt uns teilhaben an den vielen Stationen in seinem Leben, in verschiedenen Städten, in unterschiedlichen Ländern, er macht verschiedene Geschäfte und der Weg zum -anständigen- Zuhälter ist nicht mehr fern ...

 

Am Ende fragt man sich schon ein klitzekleines bisschen: Warum das Buch? So aufregend so ein Mannesleben erst überall auf der Welt und dann im Rotlichtmilieu auch sein mag, irgendwann denkt man sich dann nur noch: Aha! Aber warum Jan Sander dieses Buch geschrieben hat, beschreibt er am Ende dann selbst. Und somit schließt sich dann auch auf vernünftige Weise der Kreis.

 

Er will Leute warnen, sich auf falsche "Freunde" einzulassen. An seinem eigenen Beispiel sollen wir erkennen, wie schnell es passieren kann, dass wir den falschen Leuten vertrauen. Dann folgt noch eine etwas verbale Selbstverteidigung und ein Lanzenbruch für den Beruf eines - seriösen - Zuhälters ...

 

Jan Sander ist der "harte Typ" auf dem fetten Motorrad, im großen Wagen, tätowiert von oben bis unten und mit -aber hallo- ordentlich Muskelmasse.

 

Dass so ein Mann dann in seinem Buch mehrmals das Wort "Begehrlichkeiten" verwendet, ist irgendwie Lollipop-sweet. Fast so, als würde Dwayne Johnson für eine Disney-Verfilmung ein sprechendes rosa Plüsch-Sofa synchronisieren ...

 

So steckt doch in jedem harten Typ vermutlich ein weicher Kern. Jan zeigt uns in seinem Buch "Rotlichtkrieg" nun beides ... und dafür ... Danke sehr!

 

c) M.

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17.4.14 11:37

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